SOS-Kinderdorf Bogotá

Bogotá hat in jüngster Zeit deutliche Fortschritte in den Bereichen der Sicherheit, der Infrastruktur und der Armutsbekämpfung verzeichnen können. Dennoch leben nach wie vor Zehntausende Menschen in den Armenvierteln der kolumbianischen Hauptstadt am Rande der Gesellschaft. In den großen Elendsvierteln hausen viele „Bogotanos“ in menschenunwürdigen Behausungen ohne Strom oder sanitäre Einrichtungen.
Foto: Alexander Gabriel


Eine Stadt mit großer sozialer Ungleichheit


Kinder im SOS Kinderdorf Bogotá (photo: SOS archives)
 

Bogotá ist die Hauptstadt und zugleich größte Stadt Kolumbiens und zählt sowohl zahlenmäßig als auch flächenmäßig zu den führenden Metropolen Lateinamerikas. Demographisch gesehen ist Bogotá eine recht junge Stadt; etwa 31 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 18 Jahre. Obwohl Bogotá in den Bereichen der Sicherheit, Infrastruktur und Armutsbekämpfung in den letzten zehn Jahren deutliche Fortschritte verzeichnen konnte, leiden nach wie vor Zehntausende Menschen in dieser modernen Großstadt an Arbeitslosigkeit, Armut und einer mangelnden Grundversorgung.

Die soziale Ungleichheit ist in der kolumbianischen Hauptstadt stark ausgeprägt. Etwa 40 Prozent des Gesamteinkommens befinden sich in den Händen von nur sieben Prozent der Bevölkerung. Obwohl die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich gesenkt werden konnte, ist sie immer noch höher als in anderen modernen lateinamerikanischen Städten wie Santiago de Chile oder San José in Costa Rica.

Für eine gute Bildung ist die elterliche Fürsorge von zentraler Bedeutung. Kinder ohne elterliche Fürsorge haben wesentlich schlechtere Bildungschancen. In Kolumbien besuchen 27 Prozent der schutzlosen Kinder keine Schule. Kinder, die aus verschiedenen Gründen ohne den Schutz der Familie aufwachsen, leiden häufiger an Armut, Diskriminierung und sozialer Ausgrenzung und werden dadurch leichter Opfer von Missbrauch und Ausbeutung. Infolge von Armut und elterlicher Vernachlässigung leben in Bogotá etwa 2000 Kinder auf der Straße. Sie werden geringschätzig als „Gamines“ bezeichnet, schlafen in Parkanlagen, auf Bürgersteigen oder in Obdachlosen-Unterkünften. Viele versuchen sich durch den Verkauf von Kleinwaren, das Waschen von Autos oder Gelegenheitsdiebstähle über Wasser zu halten. Häufig schnüffeln sie Klebstoff oder nehmen andere Drogen.

Viele Kinder arbeiten, statt zur Schule zu gehen


Etwa 87 000 Kinder müssen in der kolumbianischen Hauptstadt bereits in jungen Jahren Kinderarbeit verrichten. Sie sind meist auf dem informellen Sektor tätig. 26 Prozent dieser Kinder gehen nicht zur Schule. In Bogotá gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen Armut und Kinderarbeit. Häufig sind Eltern auf das zusätzliche Einkommen ihrer Kinder angewiesen und schicken sie daher zur Arbeit statt zur Schule. Ohne eine angemessene Bildung haben Kinder aus armen Familien kaum eine Chance, als Erwachsene den Armutszyklus zu durchbrechen. Nach Angaben der Wirtschaftskommission für Lateinamerika (CEPAL) sinkt das Einkommen eines Erwachsenen mit jedem fehlenden Bildungsjahr in der Kindheit um 20 Prozent. Durch unsere SOS-Familienstärkungsprogramme und Angebote der SOS-Sozialzentren versuchen wir die Zerrüttung von Familien zu vermeiden, damit weniger Kinder auf der Straße leben müssen. 

Unsere arbeit im Bogotá

Dieser junge Mann war sieben Jahre alt, als er in Dorf kam. Hier ist er mit Seiner SOS-Mutter, eine Quelle von Lieber und Unterstützung (photo: SOS archives)

SOS-Kinderdorf begann seine Tätigkeit für Kinder und junge Menschen in Bogotá im Jahr 1971.

Familien stärken: Das Familienstärkungsprogramm des SOS-Sozialzentrums zielt darauf ab, bestehende familiäre Bindungen zu stärken, damit Kinder bei ihrer eigenen liebevollen Familie aufwachsen können. Mütter können ihre Kinder in der Kindertagesstätte betreuen lassen, während sie zur Arbeit gehen.

Betreuung in Familien: Das SOS-Kinderdorf Bogotá umfasst derzeit SOS-Familien, in denen bis zu 171 Kinder von SOS-Eltern liebevoll betreut werden. Einige Kinder wachsen in Pflegefamilien aus. Einige Familien haben ihr Zuhause in den lokalen Gemeinden. Diese Familien erhalten dieselbe Unterstützung von SOS-Kinderdorf.

Wo immer es möglich ist, arbeiten wir eng mit den Herkunftsfamilien der Kinder zusammen, damit diese in ihre Familien zurückkehren können. In diesem Fall unterstützen wir die Familien währen der Zeit des Wandels und der Anpassung.

Unterstützung für Jugendliche: Unter der Aufsicht qualifizierter Fachkräfte entwickeln junge Menschen Zukunftsperspektiven und lernen Verantwortung zu übernehmen. Sie werden ermutigt, Teamgeist zu entwickeln, Kontakte zu Freunden und Verwandten aufzubauen und mit den zuständigen Behörden und potenziellen Arbeitgebern umzugehen.