Entstehung der Hermann-Gmeiner-Akademie

Das Seminarhaus in Amras

 

Die SOS-Kinderdorf-Hermann-Gmeiner-Akademie

Von Außen bietet sie seit fast drei Jahrzehnten einen vertrauten Anblick, der sich nach einer Sanierung im Jahr 2007 zwar etwas verändert, aber nicht wirklich verfremdet hat: Die SOS-Kinderdorf-Hermann-Gmeiner-Akademie am östlichen Stadtrand von Innsbruck, in Amras. 

 

Das SOS-Kinderdorf – eine gemeinnützige Organisation von Weltbedeutung

Alles begann 1949 mit der Vision des jungen Medizinstudenten Hermann Gmeiner. Er wollte Kindern, die aus den verschiedensten Gründen nicht das Glück hatten, behütet in einer Familie aufwachsen zu können, ein neues, liebevolles zuhause schenken.

Um dies zu erreichen definierte Gmeiner vier Hauptfaktoren, welche bis heute die Grundlage der SOS-Kinderdorf-Idee bilden: eine Mutter, Geschwister, ein Haus und ein Dorf. Sie sollten den Kindern das Aufwachsen in einem sicheren sozialen Umfeld ermöglichen.

1949 wurde mit dem Bau des ersten SOS-Kinderdorfs nach diesen Statuten in Imst in Tirol begonnen. Aktuell gibt es 559 Kinderdörfer in 132 Ländern der Erde.

Das erste SOS-Kinderdorf-Jugendhaus

Als die erste Generation der SOS-Kinderdorf-Kinder in Imst dem Pflichtschulalter entwachsen war, galt es Mitte der Fünfziger Jahre, geeignete Lehrstellen bzw. weiterführende Schulen für sie zu suchen. Im Hinblick auf den Ausbildungsbedarf der folgenden Jahre wurde die Gründung eines SOS-Jugendhauses in Innsbruck beschlossen. Die Tiroler Hauptstadt bot diesbezüglich mehr Möglichkeiten als Imst.

Nach kurzer Zeit der Suche erwarb der Verein ein ehemaliges Gebäude der TGKK, das nördlich vom „Kurbad Egerdach“ lag. Es wurde vorerst notdürftig adaptiert und Anfang 1956 als erste SOS-Kinderdorf-Jugendeinrichtung mit neun Jugendlichen unter der Leitung von Rudolf Maurhard eröffnet. Maurhard gilt als einer der Pionier*innen der SOS-Jugendarbeit, der über viele Jahre prägende Spuren in der SOS-Kinderdorf-Geschichte hinterließ. Obwohl mittlerweile im Ruhestand, ist er Amraser und im Herzen „Kinderdörfler“ geblieben.

Ein Neubau wird nötig

Auch als in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre in allen österreichischen Bundesländern SOS-Kinderdörfer errichtet wurden, blieb das Jugendhaus in Innsbruck vorerst einmalig. Die Jugendlichen aus den gesamtösterreichischen SOS-Kinderdörfern fanden hier Aufnahme. 1958 wurde aufgrund des enormen Zustroms der Beschluss zu einem Neubau, der neben dem TGKK-Gebäude errichtet werden sollte, gefasst und zügig umgesetzt. Mit seinen Sport- und Freizeitmöglichkeiten (Natur direkt vor der Haustüre, Fußballplatz, Turnsaal) war diese Einrichtung zu jener Zeit einzigartig in der Jugendbetreuung. Bald aber gelangte auch dieser Neubau an die Grenzen seiner Kapazitäten, da bis zu hundert Bewohner*innen begleitet, gefördert und betreut wurden.

Diese „Großgruppen“ folgten nicht dem pädagogischen Konzept der familiennahen SOS-Betreuung. Für viele der jungen Menschen, die gerade begonnen hatten, in ihrer SOS-Familie Fuß und Vertrauen zu fassen, bedeutete diese „Überbelegung“ einen weiteren schmerzhaften Bruch in ihrer persönlichen Geschichte.

Daraufhin wurde der Bau von Jugendhäusern in allen österreichischen Landeshauptstädten forciert, um das Jugendhaus in Innsbruck zu entlasten. Zudem konnte einerseits das breitere urbane Ausbildungsangebot genutzt werden, andererseits durch die relative Nähe zu den jeweiligen SOS-Kinderdörfern der Kontakt zur SOS-Kinderdorf-Mutter, den Geschwistern und dem vertrauten sozialen Umfeld gehalten werden.

Die Hermann-Gmeiner-Akademie entsteht

1979 initiierte Hermann Gmeiner die Planung und Errichtung der SOS-Kinderdorf-Hermann-Gmeiner-Akademie. Dafür wurde das ursprüngliche Jugendhaus, das TGKK-Gebäude, geschleift. An der Stelle des abgetragenen Baus wurde die Akademie als westlicher Zubau zum 1958 errichteten Jugendhaus errichtet. Die Akademie wurde in den Jahren 1979-1981 als stufenförmiger Baukörper realisiert, der sich an den hinter dem Gebäude liegenden Hang anschmiegt. Im Mai 1982 erfolgte die offizielle Eröffnung des Hauses. Das „neue Jugendhaus“ (1958), das mit der Akademie verbunden war, blieb vorerst weiter als solches bestehen. Erst Anfang der 1990er Jahre übersiedelten die letzten Jugendlichen nach Telfs. Das nun frei gewordene Gebäude dient seitdem als Sitz von SOS-Kinderdorf-International.

Die Hermann-Gmeiner-Akademie besticht nicht nur durch ihre Architektur, sondern verfolgte von Anfang an einen besonderen Zweck: Ab den 60er - und vor allem in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts begann die humanitäre SOS-Kinderdorf-Idee weltweit zu expandieren. Bis heute sind die Bedürfnisse der Kinder, die in Not sind, unverändert. Sie brauchen heilsame Erfahrungen in einem Nest, das sie wärmt, beschützt und eine Familie, die ihnen Mut macht auf ihrem Weg in eine selbst bestimmte Zukunft. 

SOS-Kinderdorf ist in allen Kulturen, Ethnien und Religionen beheimatet. Auch wenn der SOS-Gedanke immer derselbe ist, so sind die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Voraussetzungen, wie Kinder durch das SOS-Kinderdorf Hilfe erfahren, verschieden. Durch stete Weiterentwicklung und Weiterbildung gibt es mittlerweile eine Vielzahl an ergänzenden Programmen zu den herkömmlichen SOS-Kinderdorf-Familien. Beispiele dafür sind SOS-Schulen, medizinische und therapeutische Einrichtungen, Sozialzentren und Werkstätten.

Aufgabe der Hermann-Gmeiner-Akademie ist es, diese Entwicklungen zur optimalen Betreuung von Kindern und Jugendlichen zu unterstützen. Dies geschieht durch unterschiedlichste Förderprogramme, die für Mitarbeiter*innen aus der ganzen Welt in der Akademie angeboten werden.

Warum sind hier keine Kinder?

Das Jahr 1981 kennzeichnet nicht nur die Fertigstellung des Baus, sondern ist gleichzeitig der juristische Gründungsmonat des Vereins SOS-Kinderdorf-Hermann-Gmeiner-Akademie. Der Verein nimmt wegen seines Bildungsauftrages innerhalb der „SOS-Kinderdorf-Landschaft“ eine monolithische Sonderstellung ein. SOS-Kinderdorf fremden Personen ist dennoch manchmal nicht klar, warum im “Amraser SOS-Kinderdorf“ keine Kinder oder Jugendliche (mehr) wohnen.

Konzipiert als „geistige Beheimatung“ zur Aus- und Weiterbildung von SOS-Kinderdorf-Mitarbeiter*innen in aller Welt hat sich die SOS-Kinderdorf-Hermann-Gmeiner-Akademie über zwei Jahrzehnte mit der Qualitätssicherung, Qualitätsentwicklung und der Weiterentwicklung der SOS-Kinderdorf Idee befasst. Einige dieser Bereiche sind inhaltlich seit kurzem auch in der Struktur von SOS-Kinderdorf International angesiedelt. Die beiden Häuser sind durch eine gute, enge Kooperation miteinander verbunden.

Aus diesem Grund – auch wenn in der Akademie selbst keine Schützlinge wohnen – ist das Haus als Seminar- und Bildungsbetrieb für SOS-Kinderdorf-Mitarbeiter*innen aus aller Welt doch für jene Kinder da, die dem SOS-Kinderdorf anvertraut sind.

Die Hermann-Gmeiner-Akademie – ein offenes Haus

Wir laden Sie herzlich ein, bei uns vorbei zu schauen! Darüber hinaus freuen wir uns, Sie im Rahmen von öffentlichen Veranstaltungen bei uns begrüßen zu dürfen.

 

Kontakt

Für mehr Informationen oder eine Beratung kontaktieren Sie bitte:

Judith Dengler, BA
judith.dengler@sos-kd.org
+43 512 3316 5643