SOS-Kinderdorf Sucre

Die landesweiten Sozialprogramme erreichen immer mehr Menschen in Bolivien, auch wenn der Fortschritt nur langsam vorangeht. Tausende Menschen sind vor allem in Chuquisaca, einem der ärmsten Departements Boliviens, dringend auf Gesundheitsversorgung, Unterkünfte, Nahrungsmittel und Bildung angewiesen.
Foto: Alexander Gabriel

Weite Teile der Landbevölkerung bislang ohne Unterstützung


Eine glückliche Mutter und ein glückliches Kind aus SOS-Kinderdorf Sucre. (Foto: F. Espinoza)

Sucre, Boliviens verfassungsmäßige Hauptstadt, liegt 2750 Meter über dem Meeresspiegel im Departement Chuquisaca und hat knapp 250 000 Einwohner. Das andalusisch geprägte historische Stadtzentrum mit seinen gut erhaltenen Kolonialbauten lockt nach wie vor viele Touristen an.

Heute leben etwa 90 Prozent der Bevölkerung von Sucre in den Stadtgebieten. Das Leben in den angrenzenden ländlichen Regionen ist sehr hart, da viele Anbaumethoden stark veraltet sind und die Topographie große Anforderungen an die Landwirtschaft stellt. Die Landbevölkerung hat nur selten Zugang zum formalen Bildungssystem. Obwohl die Alphabetisierungsrate in den Stadtgebieten von Sucre bei über 90 Prozent liegt, haben im Umland lediglich 47 Prozent einen formalen Bildungsabschluss, und bis zu 70 Prozent der Männer können weder lesen noch schreiben.

Viele Menschen ziehen auf der Suche nach einem besseren Leben in die Stadt, doch nur selten gehen ihre Träume in Erfüllung. Ohne ein gutes Bildungsniveau ist es fast unmöglich, Arbeit zu finden. Eine Tätigkeit auf dem informellen Sektor ist häufig der einzige Ausweg. Auch die Kinderarbeit stellt nach wie vor ein großes Problem dar. Zahlreiche Kinder müssen zum Einkommen ihrer Familien beitragen.

Das geistige und körperliche Wohl der Kinder muss geschützt werden, damit sie in der Zukunft eine Chance haben

Obwohl die extreme Armutsrate in Bolivien auf derzeit landesweit 32,7 Prozent gesenkt werden konnte, liegt diese Zahl mit erschreckenden 61,5 Prozent im Department Chuquisaca weit über dem Landesdurchschnitt. Knapp 345 000 Menschen leben in der Region in extremer Armut und haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, menschenwürdigen Behausungen und ausreichender Nahrung.

Kinder leiden am meisten an den Folgen der Armut. Fast ein Drittel der Kinder ist chronisch unterernährt. Eltern sind dringend auf Unterstützung angewiesen, damit sie für die Gesundheit und Bildung ihrer Kinder sorgen und den Teufelskreis der Armut durchbrechen können.

Unsere Arbeit im Sucre


Familienfoto in Sucre (Foto: F. Espinoza)

SOS-Kinderdorf begann seine Tätigkeit in Sucre im Jahr 1996, um die Not der lokalen Bevölkerung zu lindern. Die Sozialzentren bieten ein Familienstärkungsprogramm, um die Lebensbedingungen der Kinder, Frauen und Familien vor Ort zu verbessern. Es werden Informationsveranstaltungen über ausgewogene Ernährung und andere Gesundheitsfragen angeboten. Darüber hinaus gibt es ein medizinisches Zentrum für die Menschen aus der Gemeinde.

Die Sozialzentren bieten eine Reihe von Berufsbildungskursen für Frauen an. Mit einem Berufsabschluss können Frauen - vor allem alleinerziehende Mütter - ihre Erwerbsmöglichkeiten und ihren sozialen Status verbessern.

Es gibt eine Kindertagesstätte und Tagesmütterprogramme, so dass berufstätige Eltern ihre Kinder in sicherer Obhut betreuen lassen können, während sie ihren Lebensunterhalt verdienen.
Bis zu 100 Kinder, die in Sucre nicht länger bei ihren Eltern leben können, finden in 14 SOS-Familien ein liebevolles Zuhause. Hier werden sie gemeinsam mit ihren Geschwistern von SOS-Müttern fürsorglich betreut.

Bis zu neun Heranwachsende können während ihrer Ausbildung oder ihres Studiums in einer betreuten Wohngemeinschaft leben. Hier lernen sie mit Hilfe qualifizierter Fachkräfte, Verantwortung zu übernehmen und sich auf ein Leben in Selbständigkeit vorzubereiten.