Kennenlernen und Austausch mit "Protagonisten SOS-Kinderdorf Programmwirkung"

Oktober 2017: Stango & Nongoma

British Ncube wuchs im SOS-Kinderdorf Bulawayo auf, eines der drei SOS-Kinderdörfer in Zimbabwe. Sein musikalischer Künstlername ist Stango und man kann zu Recht sagen, dass er ein wahres „Testimonial“ von SOS-Kinderdorf Programmwirkung ist.
Foto: © SOS-Archiv

Im Oktober dieses Jahres, waren Stango und seine Band (Stango & Nongoma) auf Tour durch Slowakei, Österreich und Deutschland. Während dessen machten sie auch in der SOS-Kinderdorf Hermann Gmeiner Akademie in Innsbruck halt. Der Schwerpunkt war hierbei nicht auf das musikalische Können des Ehepaars (Stango & Nongoma) gelegt, sondern auf Stango’s „Storytelling“ über seine Geschichte und vom Leben im SOS-Kinderdorf.

 

Auszüge aus seinen Erlebnissen


Über die Wichtigkeit einer Geburtsurkunde für ein Kind: In seiner frühen Kindheit wurde Stango auf Grund seiner damals etwas helleren Haut, British genannt. Bis zum Tode seiner Eltern, ging er nie zu Schule. Als er in das SOS-Kinderdorf kam und dort die Schule besuchen wollte, benötigte er zuerst eine Geburtsurkunde. Da er aber nicht im Besitz einer war, musste er eine neue anfordern. Dabei erinnerte er sich nur mehr an seinen Nicknamen British, der somit von nun an, zu seinem offiziellen Namen wurde.

Über die Freude ein eigenes Bett zu haben: Es war das erste große Erlebnis welches er im SOS-Kinderdorf hatte. Vor dieser Zeit musste er sein Zimmer und sein Bett mit seinen Geschwistern teilen. Im SOS-Kinderdorf zeigte ihm seine SOS Mutter am ersten Tag sein eigenes Bett und seinen eigenen Kleiderschrank. Stango fragte nur: „For me alone?“ Die bejahende Antwort seiner Mutter löste in ihm eine spürbar große Freude aus. Seine zwei Schwestern und sein kleiner Bruder, mit welchen er gemeinsam in das Dorf kam, erlebten allesamt einen ähnlich positiven Empfang.

Über die Bedeutung des Aufbauens von Beziehungen: Stango liebt seine SOS Mutter und teilt bis heute eine dauerhafte und enge Beziehung mit ihr. Auf die Frage, was seine SOS Mutter so besonders mache, antwortete er: „She has the heart. She is patient. “ Stango kam ohne der kleinsten Idee von Schule und was man in dieser alles erlernt, in ihr Haus. Somit nahm sich seine SOS Mutter jeden Tag nachdem er von der Schule heimkam, Zeit, ihm die Buchstaben und das Alphabet zu lernen. Dabei verlor sie niemals ihre Geduld oder ihr Gemüt.

Über ein besonderes Erlebnis welches er im SOS-Kinderdorf hatte: Im Jahre 1998 oder 1999 besuchte der damalige CEO SOS Kinderdorf International, Richard Pichler, das SOS-Kinderdorf Bulawayo. Dieser Besuch gilt aus heutiger Sicht für Stango als Beginn seiner Musikkariere. Es war ein großes Ereignis für alle Kinder und das gesamte Dorf. Unter den verschiedenen Auftritten, welche extra für den Empfang organisiert wurden, durfte auch Stango mit einem Lied die Feier mitgestalten. Er war sehr erfreut darüber und nahm diese Chance ernst. Er schrieb ein Gedicht, welches er mit einem Freund probte. Nach dem Auftritt waren Herr Pichler und das gesamte Dorf sehr begeistert von seinem musikalischen Talent. Von diesem Moment an gab er seinen Traum Musiker zu werden nicht mehr auf. So war der Besuch Pichlers ausschlaggebend für die Anerkennung welche er immer suchte.

Über herausfordernde Zeiten: Trotz seines Enthusiasmus und seinem Talent für die Musik finanzierte ihm SOS-Kinderdorf diese Karriere nie. Ihm wurde gesagt, dass er entweder zur Schule gehen und einen finanzierten akademischen Abschluss machen kann oder sonst mit seiner Musik seinen eigenen Weg gehen soll, dieser jedoch nicht finanziell unterstütz wird.

 
Foto: © SOS-Archiv

Über Träume die wahr werden: Das Gedicht welches Stango beim Besuch von Herrn Pichler vortrug, wurde zum Grundstein seines heutigen Erfolges. Es handelt von Träumen, Selbstmotivation, Selbstvertrauen und dem Glauben ans Leben. Es ist das erste Lied auf dem neuen Album namens „Thatha“ und somit auch der Grund ihrer Europa-Tour. Seine Frau und Bandpartnerin Nongoma, teilte seine Meinung. Für sie wurde ihr eigener Traum durch Stango wahr.

 


Er brachte ihr das Spielen auf der Mbira bei, ist jetzt mit ihm auf Tour und hat ihr erstes Album produziert. Zusammen mit ihrem sechsjährigen Sohn sind sie laut ihr, eine glückliche Familie. Des Weiteren sagte Nongoma, dass sie von „seiner SOS-Kultur“ profitiere. Diese bestehe aus einer starken Selbstmotivation, einer entschlossenen Denkweise im Leben und einer Solidarität untereinander. Diese von ihr sogenannte „SOS-Kultur“ sei in bestimmten Aspekten unterschiedlich mit derer welche sie als aufwachsendes Kind in ihrer biologischen Familie erlebte.


Über was es bedeutet das SOS-Kinderdorf zu verlassen: Stango verließ das SOS-Kinderdorf als er 24 Jahre alt war. Er sagte: „I left the SOS Village and facing the world, it felt like you’re facing the whole world all alone”. Auch wenn es nicht leicht für ihn war, war es ein Moment um neue Beziehungen zu anderen Personen außerhalb des Dorfes zu knüpfen.

Über die Beziehung zu seinem SOS-Kinderdorf: Stango hat bis heute immer noch eine sehr gute Beziehung zum Dorf. Er, seine Frau und sein Sohn sind im Dorf egal ob sie Hilfe brauchen, um Rat suchen oder Feiern mitgestallten wollen, immer willkommen. Er gibt noch dazu Musikunterricht für Kinder aus dem SOS-Kinderdorf.

 
Foto: © SOS-Archiv

Über die Re-Integration in die Gesellschaft: Heute lebt Stango mit seiner Frau und seinem Kind in der Stadt und er hat eine erfolgreiche Kariere. Er sieht der Zukunft sehr positiv entgegen und die Familie kann von der Musik leben. Er ist glücklich, selbstversorgend und unabhängig.




 

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