Hermann-Gmeiner-Tag 2015

Freitag, 17. April 2015

„Hermann Gmeiner’s Konzept von SOS-Kinderdorf im Wandel der Zeit. Eine kritische Würdigung“
Foto: © canstockphoto.de
So lautete das Motto des heurigen Hermann-Gmeiner-Tages. Wie jedes Jahr stand diese Veranstaltung ganz im Zeichen des Gedenkens an den Gründer des SOS-Kinderdorfes, welcher heuer seinen 96. Geburtstag gefeiert hätte, jedoch schon am 26. April 1986 verstorben ist.

Hermann Gmeiner hatte gemeinsam mit seinen Weggefährten im Nachkriegs-Österreich nach Alternativen zum damals gängigen Heimmodell in der bis vor kurzem noch so genannten „Fremdunterbringung“ gesucht.


Die Antwort war eine Sensation und konnte mit dem weltweit ersten SOS-Kinderdorf in Imst realisiert werden.

Herr Otmar Czihak beleuchtete in seinem Einleitungsvortrag das Leben Hermann Gmeiner’s vor der Gründung von SOS-Kinderdorf im Jahre 1949 und konnte damit biographische Aspekte herausarbeiten, welche wohl das Betreuungsmodell SOS-Kinderdorf konzeptiv stark beeinflusst hat. In weiteren Kurzbeiträgen wurden die jüngsten Programmentwicklungen aus mehreren Europäischen Ländern vorgestellt.

Herr Róbert Gagyi aus Ungarn beschrieb den heraufordernden Prozess, ein „SOS-Kinderdorf von Morgen“ zu gestalten, welches an neuem Standort im Entstehen ist.

Frau Birgit Lambertz schilderte den Aufbau eines integrativen SOS-Kinderdorfes in Deutschland, bei dem der Zugang zu den Zielgruppen und der partizipative Aufbau von Programmangeboten eine zentrale Rolle spielen.

Frau Marianne Brosius und Herr Régis Thill erzählten von den Erfahrungen mit der mittelfristigen Aufnahme von Kindern in eine SOS-Kinderdorf Familie in Luxembourg. Mittelfristig deshalb, weil erst nach einigen Monaten darüber befunden wird, welches die langfristig beste Betreuungsform für das betreffende Kind sein wird.

Frau Elisabeth Hauser aus Österreich setzte sich mit der Rolle des Dorfleiters im Wandel der Zeit auseinander. Anhand von Zitaten von PraktikerInnen machte sie dabei die Wirkkraft von Prinzipien im täglichen Arbeitseinsatz erfassbar.

Herr Leonard Guni berichtete von einem Jugendprojekt in Albanien, in dem die jungen Menschen ihre Stimme erfolgreich für die Veränderung von sie betreffenden Gesetzen in der Kinder- und Jugendhilfe im Land erhoben haben.

Frau Carmen Delgado erläuterte den Aufbau und die Funktionsweise der pädagogischen Qualitätssicherung in den spanischen SOS-Kinderdorf-Programmen und was sich dabei in den letzten Jahren weiterentwickelt hat.

Anschließend hatten die TeilnehmerInnen Gelegenheit „wie in einem offenen Buch zu lesen“ und vertiefende Gespräche mit den ReferentInnen über aktuelle Entwicklungen in der kinderdörflichen Programmentwicklung „ihrer“ Länder zu führen.

Das Resümee des Vormittages


So wie Hermann Gmeiner aus seinen Zeitumständen heraus die passenden Antworten auf Betreuungsbedürfnisse von Kindern und Jugendlichen gesucht und gefunden hat und diese in Form des SOS-Kinderdorfes verpackt hat, gelingt es SOS-Kinderdorf auch heute aus den aktuellen Verhältnissen heraus gemeinsam mit Betroffenen stimmige Betreuungs-Programmangebote zu gestalten und anzubieten.

Am Nachmittag nahmen die BesucherInnen des Hermann-Gmeiner-Tages wie immer am Gedenkgottesdienst für Hermann Gmeiner im SOS-Kinderdorf in Imst teil.