Über uns - SOS-Kinderdorf

Einleitung

SOS-Kinderdorf ÜBER UNS - Publikation in der Hermann-Gmeiner-Akademie

Die SOS-Kinderdorf Geschichte der ersten Jahrzehnte ist in einigen Publikationen aufgearbeitet und nachlesbar. Mit der Entwicklung von SOS-Kinderdorf nach 1985 sieht es hingegen anders aus. Ein historischer Überblick über die internationale SOS-Kinderdorf Geschichte der letzten beiden Jahrzehnte kann kaum gewonnen werden. In dieser Publikation wird nun versucht an Hand von Entwicklungsbeschreibungen der SOS-Kinderdorf-Programme, -Grundprinzipien, -Organisationsstruktur und mittels Erzählungen von konkreten Beispielen des Wirkens von SOS-Kinderdorf, einen Einblick in die SOS-Kinderdorf Geschichte der letzten Jahre zu gewähren. Es wird nicht die SOS-Kinderdorf Geschichte erzählt, sondern in Streiflichtern die Entwicklung von SOS-Kinderdorf näher gebracht. Die Leserinnen und Leser sollen erfahren, was und wie SOS-Kinderdorf als weltweite Hilfsorganisation bewirkt und erwirkt.

 

Jedem Kind ein liebevolles Zuhause

„Kinder und Jugendliche in besonderen Notlagen und bei familiären Krisen zu unterstützen, gemeinsam mit ihnen (und den Eltern) Wege aus der Krise zu suchen und ihnen ein stabiles, liebevolles Zuhause in Würde und Wärme zu ermöglichen – das ist die zentrale Vision von SOS-Kinderdorf.“
 

Dieses Buch legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Geschichte von SOS-Kinderdorf ab 1985.

Einleitend wird ein historischer Abriss über die Gründungs- und Pionierjahre von SOS-Kinderdorf bis zum Ende der Präsidentschaft von Hermann Gmeiner sowie der Wahl Helmut Kutins zu seinem Nachfolger geboten. Darauf folgen Einführungen in die Einrichtungen, Programmentwicklung und  Organisationsstruktur von SOS-Kinderdorf. In fünf Kapiteln versuchen wir an Hand thematischer Schwerpunkte die internationale SOS-Kinderdorf Arbeit darzustellen.
 

Wenn wir als Autoren von „Europa“, „Asien“, „Amerika“ oder „Afrika“ schreiben, ist es eigentlich eine Anmaßung. Es gibt diese Erdteile nur als allgemein verständliche geographische Definitionen. „Afrika“ als homogenen Lebensraum gibt es genau so wenig wie „Amerika“ oder „Asien“. So ist auch die auf diese Publikation bezogene, am Rande der Unzulässigkeit schrammende, Einteilung von (Sub)Kontinenten lediglich eine Vereinfachung, die auch in knapper Zeit eine Grundorientierung für das Engagement von SOS-Kinderdorf in diesen Regionen ermöglicht – nicht mehr.
 

Gleichzeitig wollen wir mit dieser – sagen wir sehr großzügigen – Beschriftung ein Signal gegen zu „gartenhaftes“ Unterteilen der Welt setzen. Das „Eigene“ und das „Andere“ in seinem scheinbar unauflösbaren Spannungsfeld hat schon so viel zum Unglück und Leid von Menschen beigetragen, dass wir uns jetzt einmal selbstbewusst darüber hinwegsetzen. Wir schreiben von regionalen oder lokalen Lebensverhältnissen, die schon innerhalb einer Stadt von Straßenzug zu Straßenzug sehr unterschiedlich sein können. Wir wollen vermeiden von „guten“ und „weniger guten“, von „schönen“ und „weniger schönen“ Vierteln zu schreiben und uns damit nicht jenen Kategorisierungen anschließen, die Klischees reproduzieren und nichts dazu beitragen, soziale Vorurteile aufzulösen oder zumindest in Bewegung zu bringen.
 

Für SOS-Kinderdorf ist dies ein wichtiges Thema. Ein SOS-Kinderdorf Programm ist ein Veränderungsangebot und macht etwas mit den Menschen als TeilnehmerInnen in einem Programm. Umgekehrt ist es genau so: TeilnehmerInnen an einem SOS-Kinderdorf Programm machen etwas mit der Organisation SOS-Kinderdorf, beeinflussen sie, entwickeln sie mit.

Wir haben den Versuch unternommen, an Hand von Beispielen die SOS-Kinderdorf Geschichte in den verschiedenen Ländern der Welt zu erzählen. Dieses Geschichtenerzählen wurde von uns als Spezifikum von Helmut Kutin übernommen.  Menschen – Kinder wie Erwachsene – sind über Geschichten zu begeistern. Es sind immer wieder auch die kleinen, scheinbar so alltäglichen Begebenheiten, mit welchen sich Zuhörer leicht und gerne identifizieren. Und in jeder Erzählung – und sei sie auf das ‚erste Ohr‘ auch noch so unbedeutend – wird ein großes Thema angesprochen und kommentiert. Es geht um Werte und Haltungen, um „richtig“ und „falsch“, um „gut“ und „böse“. Damit entstehen virtuelle Orientierungslandschaften in den Köpfen der Zuhörer – ein Reflexionsangebot, welches man zu den eigenen diesbezüglichen Vorstellungen ins Verhältnis setzen kann; und damit entwickelt sich der Mensch kontinuierlich weiter. 
 

Helmut Kutin weiß die Menschen über ihre Phantasien, Vorstellungen und Übertragungen anzusprechen. Berichtet er von einer Begebenheit irgendwo in einem SOS-Kinderdorf, steht immer ein zentrales menschliches Schlüsselthema im Kern. Es geht immer um Dinge wie Dazugehören, Mut, Vertrauen, das Vertraut sein, wie die unterschiedlichen Ethnien miteinander umgehen oder die Generationen ihre Spannungen abarbeiten. Es sind die Kernthemen menschlichen Seins, die jeden in dieser rastlosen, stets nach Mehr und Gewinn strebenden Gesellschaft beschäftigen, für die uns aber schon vielfach die Sprache und andere Ausdrucksformen abhandengekommen sind.
 

Die Sehnsucht nach klarer Sprache über diese Themen kann Helmut Kutin mit seinen kurzen, aber prägnanten Anekdoten über die stets wiederkehrenden großen Themen bedienen; und dies – je nach Publikum – auch gerne zeitgleich in mehreren Sprachen. Er spricht damit die Menschen auf seine Art an, berührt und begeistert sie, für das Positive im Leben und damit auch für die SOS-Kinderdorf-Idee.

Abschließend wollen wir dieses Buch mit Botschaften und Wünschen für SOS-Kinderdorf von Kindern,  Jugendlichen und FunktionsträgerInnen von SOS-Kinderdorf bereichern.
 

Diese Publikation war nur durch die Mithilfe vieler möglich. An erster Stelle ist den Trägervereinen der SOS-Kinderdorf Hermann-Gmeiner-Akademie zu danken. Für die unermüdliche und stetige Mitarbeit danken wir herzlichst Eveline Erlsbacher. Der Dank sei auch all jenen ausgesprochen, die wertvolle Informationen zur Geschichte des SOS-Kinderdorfs beigetragen haben: Helga Zündel, Rudolf Maurhard, Petra Bechtloff, Herwig Burgeff, Olga Carcolici, Heinrich Müller, Anni und Josef Aldrian, Alexander Gabriel, Fritz Haider (+), Werner Handl, Siddhartha Kaul, Pietro Lacorte, Imma von Unterrichter, Elisabeth Péan, Rudolf Maurhard, Richard Pichler, Wilfried Vyslozil, Michael Pöltl, Hanjo Sauer, Margaret Nkrumah, Alexander Plaikner mit dem Brand-Team von SOS-Kinderdorf International sowie Hansjörg Manzl und vielen Stimmen von Kindern und Jugendlichen im Feriencamp Caldonazzo 2011. Für das Lektorat möchten wir uns bei Evelyn Vyslozil bedanken.
 

Das Erscheinungsbild verdankt dieses Buch dem grafischen Auge von Gustav Sonnewend und Werner Niederkircher (nuovoline). Für den reibungslosen Ablauf des Buchdruckes sei Alpina Druck der Dank ausgesprochen. Für die Übersetzung in das Englische, Französische und Spanische steht Eva Magyar-Pérez mit ihren Netzwerk-KollegInnen: Jan Wheeler (für Englisch), Javier Ortiz Barranco (für Spanisch) und Claire Girard, Annick Munster und Eric Girard  (für Französisch). Nicht zuletzt möchten wir uns auch bei unseren Familien und Freunden bedanken, ohne deren Verständnis und ihre Geduld unsere Arbeit nicht gedeihen hätte können.