Am Standort Egerdach/Innsbruck

SOS-Kinderdorf in Innsbruck

Das SOS-Kinderdorf ist 60 Jahre alt. Die enge Verbindung des SOS-Kinderdorfs mit Tirol ist mit dem ersten Kinderdorf in Imst ausreichend dokumentiert, dass aber die Gründung in Innsbruck stattfand und das SOS-Kinderdorf auch bis heute in Innsbruck vertreten ist, mag weniger präsent sein.

 

Die SOS-Kinderdorf Idee entwickelte Hermann Gmeiner, ein gebürtiger Vorarlberger, mit seinen Freunden und Helferinnen in Innsbruck. Hermann Gmeiner zog es nach 1945 als Medizinstudent an die Universität Innsbruck. Er wandte sich aber bald an Stelle seines Studiums der Jugendarbeit zu. Aus dieser Tätigkeit heraus machte er die notwendigen Erfahrungen und gewann jene Erkenntnisse, die für die Entwicklung der SOS-Kinderdorf Idee wichtig waren.



 

Vor diesem Hintergrund fand am 25. April 1949 die Gründungsversammlung des Vereins „Societas Socialis“ im Jugendreferat der Landesregierung in der Innsbrucker Hofburg statt.
 

Das erste Büro fand der neu gegründete Verein in der Anichstraße 44, wo die Mitgliederwerbung ihren Anfang nahm. Die Idee war, Mitglieder mit der Aufforderung zu einer „ein Schilling-Spende“ zu gewinnen. Die nächste Unterkunft wurde dem Verein ab Mai/Juni 1949 im ersten Stock der Hofburg zur Verfügung gestellt. Einher mit diesem Umzug ging auch die Einigung der VereinsgründerInnen, sich abweichend von der Gründungsbestimmung auf einen einzigen sozialen Bereich zu konzentrieren und zwar auf die Kinder, anstatt sich in vielen Teilgebieten zu verzetteln. Aus der Grundidee entwickelte sich der Plan, Waise und sozial vernachlässigte Kinder in einer „Ersatzfamilie“ unterzubringen. Die Umsetzung dieser Idee wurde noch im selben Jahr, 1949, Realität. Das erste Familienhaus, das „Haus Frieden“, konnte im angestrebten SOS-Kinderdorf Imst fertig gestellt werden. Für weitere Häuser initiierte der Verein „Societas Socialis“ eine Weihnachtsaktion. Hierbei wurden über 40.000 Karten versandt. Für diese große logistische Aufgabe musste weiterer Raum in Innsbruck gesucht werden. 1950 erhielt SOS eine Lesestube am Rennweg. In dieser Baracke wurde eine Schreibstube und ein Versandraum eingerichtet. Am 28. April 1950 wurde die „Societas Socialis (SOS)“ in den Verein „SOS-Kinderdorf“ übergeführt.
 

Das schnelle Wachstum des SOS-Kinderdorfs forderte im Bereich der Vereinsverwaltung immer mehr Raum. So zog die Zentralkanzlei des SOS-Kinderdorfs zur Jahreswende 1950/51 ins Goldene Dachl, wo in der Folge die Vorstandsitzungen stattfanden. Ab 1954 wurden Vereinsversammlungen auch in den angemieteten Räumlichkeiten in der Kiebachgasse 10 abgehalten. Im Laufe der Zeit mussten immer weitere Büros angemietet werden. Erst 1958 erwarb man, das bombengeschädigte Haus in der Stafflerstraße 10, heute noch Sitz des SOS-Hauptverbands.

Bald wurden auch SOS-Betreuungseinrichtungen in Innsbruck begründet.
 

Die erste SOS-Kinderdorf Jugendeinrichtung wurde im Innsbrucker Stadtteil Amras errichtet. Auf dem so genannten „Arme-Leute-Bühel“, hatte man 1955 ein altes Gebäude der Tiroler Gebietskrankenkasse erworben. Anfang 1956 wurde es als SOS-Jugendhaus Egerdach unter der Leitung von Rudolf Maurhard eröffnet. Hier wurden männliche Jugendliche aus allen österreichischen SOS-Kinderdörfern betreut. Der enorme Zustrom erforderte 1958 den Beschluss eines Neubaus, der unmittelbar daneben entstand.
 

Erst 1966 wurde das erste SOS-Mädchenhaus in der Blasius-Hueberstraße 16 in Innsbruck errichtet. Henriette Rieder fungierte dort durch viele Jahre als engagierte Leiterin.
 

Später wurden in der Nähe aller österreichischen SOS-Kinderdörfer kleinere Jugendeinrichtungen konzipiert und so wurden die Jugendeinrichtungen in Innsbruck verkleinert oder aufgehoben. Das Jugendhaus in Egerdach beschränkte man auf den Neubau und der Altbau konnte abgerissen werden. Auf diesem Areal initiierte Hermann Gmeiner 1979 die Errichtung der Hermann-Gmeiner-Akademie. Die Hermann-Gmeiner-Akademie schafft mit ihrem Angebot als Seminar- und Tagungshaus für SOS-Mitarbeiter aus aller Welt einen Rahmen zur Förderung und Unterstützung der nationalen und internationalen SOS-Kinderdorf Arbeit. Heute befindet sich im ehemaligen Jugendhaus in Egerdach der Sitz von SOS-Kinderdorf International.

 

Für das Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck von Eveline Erlsbacher und Gertraud Zeindl