Brief von Witnowati


 
“Meiner Familie und mir geht es gut. Dank des Hermann-Gmeiner-Preises konnte meine Klinik ausgebaut werden, sodass sie den Bedürfnissen der Patientinnen besser gerecht wird. Da die Ausrüstung der Klinik nun besser ist, kommen täglich Patientinnen die verschiedene Untersuchungen beziehungsweise Pflege benötigen, wie zum Beispiel die Untersuchung von Schwangeren und Säuglingen, Hilfe bei der Familienplanung (zum Beispiel das Einsetzen einer Spirale).



Auch die stationäre Behandlung von einigen Gebärenden und Neugeborenen (Inkubator) ist nun möglich.

Früher etwa mussten bei schwierigen Geburten Patientinnen in ein weit entferntes Krankenhaus gebracht werden, doch nun kann ich in Fällen, wo ein Vakuumextraktor benötigt wird, selbst vorgehen, wodurch das Risiko für Mutter und Kind wesentlich vermindert wird, ganz abgesehen von den zusätzlichen Kosten.

Besonders hilfreich erweist sich der Nebulizer bei plötzlichen Asthmaanfällen, wie sie in unserer Gegend sowohl bei Gebärenden, als auch bei Säuglingen und Kleinkindern leicht auftreten können. Auf Grund der Entfernung zur Krankenstation werden gelegentlich auch erwachsene Patienten behandelt.

Dank der zusätzlichen Geräte kann ich nun in Notfällen wirksamer helfen, wie etwa kürzlich, als eine Gebärende mit schwerem Schock in meine Klinik gebracht wurde. Sie war von einer traditionellen, d.h. nicht modern ausgebildeten, Dorfhebamme behandelt worden. Durch zu starkes Ziehen der Plazenta, war die Gebärmutter herausgezogen worden (inverso uteri + retensio placenta). Bei ihrer Ankunft war der HB-Wert der Gebärenden stark gesunken. Nachdem es mir gelungen war den Allgemeinzustand der Patienten zu verbessern, wurde diese in ein großes Krankenhaus in Bandung gebracht und konnte gerettet werden.

Infolge einer Änderung der behördlichen Vorschriften, muss ich jetzt meine Ausbildung fortsetzen. Das ist für bereits praktizierende Hebammen an den Wochenenden möglich. Also fahre ich fast jeden Samstag und Sonntag, eineinhalb bis zwei Stunden zur Fachhochschule. Werde ich während der Vorlesungen jedoch von daheim angerufen, weil ich dringend gebraucht werde, fahre ich sofort zu meiner Klinik und falls der Zustand der Patientin sowie die Zeit es gestatten, nachher wieder zurück zur Hochschule!“

Witnowati , Februar 2008


Foto: Witnowati